Max Frisch, Journal I-III (1981)

 

 

Die Texte sind von Hugo Leber gelesen

Mit Alexandra Reed, Käte und Fortunat Schnyder-Rubensohn, Marianne Frisch-Oehler, Mrs. Leigh und Pat Gaughn


Kamera: Renato Berta, Hughes Ryffel, Rainer M. Trinkler

Regieassistent: Frédéric Erni

Ton: Alain Klarer

Dokumentation: Ruth Waldburger, Carla Ferrari

Schnitt: Richard Dindo (Supervision: Georg Janett, Rainer M. Trinkler)

Musik: Arié Dzierlatka

Produktion: Saga Produktion (Robert Boner)

Finanzierung: Schweizer Fernsehen (Zürich) / NDR / ORF

Uraufführung: Solothurner Filmtage, 1981

 

Filmplakat: Helen Pinkus-Rymann

120 min, Farbe

 

 

Eine filmische Lektüre der Erzählung „Montauk“ (1974). Wir gehen an die Orte des Buches, begleitet von der jungen Amerikanerin Alexandra Reed. Die ehemalige Verlobte des Schriftstellers, Käte Schnyder-Rubensohn und ihr Ehemann Fortunat besuchen mit uns Berlin, ihre Heimatstadt. Käte war die „Vorbildfigur“ von „Hanna“ aus dem Homo-Faber-Roman. In New York gehen wir auf die Suche nach der wirklichen „Lynn“, mit der der Autor eine kurze Liebesgeschichte hatte. Die damalige, zweite Frau des Autors, Marianne Frisch-Oehler, erzählt ihre Beziehung zu ihrem Mann, dem sie verboten hatte, aus ihr „literarisches Material“ zu machen. Die Beziehung zwischen Max Frisch und der österreichischen Dichterin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wird dargestellt über Ausschnitte aus dem letzten Theaterstück des Autors, „Triptychon“ und mit einem Fernsehinterview von Ingeborg Bachmann. In diesem redet sie unter anderem von der „Krankheit der Männer“.

 

Der Autor selber wurde von uns überhaupt nie gefilmt, es werden nur Fernsehdokumente (Interviews und Reden) und Fotografien von ihm gezeigt. Eine ziemlich kuriose, riskante und eher ungewohnte Sache. In einem zweistündigen Film das Porträt eines Schriftstellers zu machen, ohne ihn selber jemals zu filmen. Die Idee dabei war, dass man von einem Menschen wenig erfährt, wenn man ihn bloss anschaut und seine körperliche Präsenz filmt. Die „Wahrheit“ des andern steckt in seiner Sprache und in seiner Selbstdarstellung, nirgendwo sonst.

 

Jean-Jacques Rousseau schrieb einmal, die Tatsache, dass er hauptsächlich über sich selber schreibe, hänge einfach damit zusammen, dass er sich selber am besten kenne. Dasselbe sagte auch Frida Kahlo, um zu begründen, warum sie so viele Selbstporträts male.

 

Von da auch meine Vorliebe für Schriftsteller-Porträts, weil diese logischerweise in der Selbstdarstellung am weitesten gegangen sind und deshalb meine Idee vom Dokumentarfilm als „Kunst der Biografie“ am evidentesten und auch besonders spannend machen.

 

Dabei gehe ich immer von autobiografischen Texten der Schriftsteller aus. Ich mache eigentlich nichts anderes, als ihre Bücher zu lesen und diese in Filme zu übersetzen. Interviews zum Beispiel mit den Autoren würden da nicht viel hinzufügen und sind meistens auch viel weniger interessant, manchmal geradezu enttäuschend, verglichen mit den Texten.

 

Die „Wahrheit“ von Max Frisch, als Mann und als Schriftsteller, wird in diesem Film deshalb in seinem Montauk-Buch gesucht.

 

Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt:

Warum reisen wir?

Wieviel Heimat brauchen Sie?

Wir leben mit Toten.

 

Dossier zum Film

 

Kurzdossier zum Film

 

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