Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S. (1975)

 

 

Realisation: Richard Dindo

Nach dem Buch von Niklaus MeienbergKommentar: Niklaus Meienberg

Kamera: Rob Gnant, Robert Boner

Ton: Beni Lehmann

Aufnahmeleiter: Toni Strickler

Schnitt: Richard Dindo (Supervision: Georg Janett)

Produktion: Richard Dindo

Finanzierung: EDI (Sektion Film) und Richard Dindo (Eigenleistungen)

Uraufführung: Solothurner Filmtage, 1976

 

 

100 min, Farbe

Nach dem Buch von Niklaus Meienberg, eine dokumentarische Enquete mit Zeit- und Augenzeugen, und den Brüdern von Ernst S. über die Hintergründe dieses „Landesverräters“, der in den Augen des Filmemachers und des Buchautors eher ein gewöhnlicher Dieb als ein Verräter war, der sich aber aus Mangel an Kleingeld keinen Rechtsanwalt leisten konnte und deshalb für die Militärjustiz ein leichtes Opfer war.

 

Nach einer Generalattacke in der „Neuen Zürcher Zeitung“ begann der Film eine Zeitlang ziemlichen Staub aufzuwirbeln. Vor allem gewisse, zum Teil rechtsradikale Offizierskreise, warfen dem Bundesrat vor, dass er diesem Film eine Subvention ausbezahlt hatte.

 

Bundesrat Hürlimann verweigerte dann später dem Film die Auszahlung einer sogenannten Qualitätsprämie, die ihm die zuständige Filmkommission zugesprochen hatte. Es ging dabei um eine Summe von 35’000 Franken, die ich gut hätte gebrauchen können, da der Film natürlich völlig unterfinanziert war.

 

Diese Ablehnung der Qualitätsprämie löste wiederum eine monatelange Kontroverse in den Zeitungen und viel Klamauk aus. Das alles hat uns aber natürlich nicht über den Haufen geworfen. Wir fanden es normal, dass man von rechts angegriffen wird, wenn man die Regierung und die Armee kritisiert und einzelne Persönlichkeiten als „Nazi-Sympathisanten“ und potentielle Landesverräter taxiert. Und dann noch von einem vom Bund finanzierten Film. Man war sich halt mehr daran gewohnt, auf die Linken einzuhacken, als selber einmal unter die Lupe genommen zu werden.

 

Ich machte dann einen Rekurs oder eine Klage, ich weiss nicht mehr, gegen diese Nicht-Auszahlung der Qualitätsprämie, worauf der Bundesrat in einer Vernehmlassung die Gründe dafür publik machte. Im Wesentlichen ging es in dieser Vernehmlassung darum, uns als „Verteidiger und Verharmloser“ des Landesverrates hinzustellen, während nazifreundliche Vertreter der St. Galler Lokalbourgeoisie, die Niklaus im Kommentar des Filmes leicht angeschossen hatte, als „ehrbare“ Bürger bezeichnet wurden.

 

Ich schrieb eine längere Antwort auf diese in filmischen Dingen absolut inkompetente und in moralischer und politischer Beziehung doch ziemlich fragwürdigen Erklärungen und konfusen Behauptungen.

 

Der Gesamtbundesrat schaute später den Film in einer Privatvorführung an. Darauf wurde über die Auszahlung der Qualitätsprämie abgestimmt. Sechs Bundesräte waren dagegen, nur einer dafür, der Sozialdemokrat Willy Ritschard. Der zweite „Sozialdemokrat“, Pierre Graber, ein alter Bekannter von mir, mit dem ich schon einmal zu tun gehabt hatte, stimmte ebenfalls dagegen. Ich sage hier vorsichtshalber nicht, von wem wir das wussten.

 

Das Deutschschweizer Fernsehen, das eine Mitfinanzierung des Filmes abgelehnt hatte, kaufte ihn schliesslich an und strahlte ihn aus, mit einer Einleitung des Historikers Peter Dürrenmatt versehen, der das Publikum vor dem Film warnte, der den Landesverrat verharmlose und dabei vergesse, dass die liberal-demokratische Schweiz sich damals doch gegen den National-Sozialismus habe wehren müssen. Der Herr Professor vergass dabei aber zu erwähnen, dass er selber in jener Zeit Mitglied... der  Schweizer Nazi-Partei gewesen war. Er war allerdings nicht der Einzige in seiner Umgebung und unter seinen ehemaligen Parteigenossen, der dieses Detail seiner persönlichen Geschichte „vergessen“ hatte.

 

Wir hatten damals, anlässlich der Ausstrahlung des Filmes am Fernsehen, in einem privaten Kreis einige Journalisten und Max Frisch eingeladen. Es war Frisch gewesen, der die Geschichte mit Dürrenmatts Fröntler-Vergangenheit ausbrachte.

 

(Mehr über all das im beiliegendem Dossier)

 

Zur Vernehmlassung

 

Zum Artikel von Christof Stillhard im Magazin

 

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